Content Audit: So analysierst du welche Inhalte funktionieren und welche nicht
Ein Content Audit zeigt dir welche Seiten Traffic bringen und welche du verbessern oder löschen solltest. Schritt-für-Schritt.
Jede Webseite sammelt über die Jahre Inhalte an. Blogartikel, Landingpages, Produktseiten, Info-Seiten — irgendwann hast du Hunderte von Seiten und keinen Überblick mehr. Welche bringen Traffic? Welche ranken gut? Und welche ziehen deine gesamte Seite nach unten?
Ein Content Audit beantwortet genau diese Fragen. Es ist die systematische Bestandsaufnahme aller Inhalte auf deiner Webseite — mit dem Ziel, datenbasiert zu entscheiden, welche Seiten du behältst, welche du verbesserst und welche du löschst oder zusammenlegst.
Was ist ein Content Audit?
Ein Content Audit ist eine vollständige Analyse aller Inhalte auf deiner Webseite. Du sammelst für jede URL Daten wie Traffic, Rankings, Backlinks und Engagement — und entscheidest dann auf Basis dieser Daten, was mit jeder einzelnen Seite passieren soll.
Es ist keine kreative Aufgabe. Ein Content Audit ist Datenarbeit. Und genau deshalb scheuen sich viele davor. Aber der Aufwand lohnt sich: Unternehmen, die regelmäßig Content Audits durchführen, berichten von signifikanten Verbesserungen bei organischem Traffic und Rankings.
Wann solltest du ein Content Audit durchführen?
- Regelmäßig: Mindestens einmal pro Jahr für etablierte Webseiten
- Nach einem Relaunch: Um zu prüfen, ob alle wichtigen Inhalte migriert wurden
- Bei Traffic-Verlusten: Wenn der organische Traffic über Wochen oder Monate sinkt
- Vor einer Content-Strategie: Bevor du neue Inhalte planst, solltest du wissen, was du schon hast
- Bei Wachstum: Wenn deine Seite über 100 Unterseiten hat, wird ein Audit zunehmend wichtig
Schritt 1: Alle URLs sammeln
Der erste Schritt ist eine vollständige Liste aller indexierbaren URLs deiner Webseite. Dafür gibt es verschiedene Methoden:
Screaming Frog
Screaming Frog ist der Industriestandard für Website-Crawls. Die kostenlose Version crawlt bis zu 500 URLs — für viele kleine und mittlere Webseiten reicht das.
So gehst du vor:
- Lade Screaming Frog herunter und installiere es
- Gib deine Domain ein und starte den Crawl
- Exportiere die Ergebnisse als CSV oder Excel-Datei
- Filtere nach HTML-Seiten (du brauchst keine Bilder, PDFs oder CSS-Dateien)
Google Search Console
Die Search Console zeigt dir alle Seiten, die Google kennt:
- Gehe zu „Indexierung → Seiten"
- Dort siehst du alle indexierten und nicht-indexierten URLs
- Exportiere die Liste
Mehr zur Search Console erfährst du in unserem Artikel Google Search Console einrichten und nutzen.
Sitemap
Deine XML-Sitemap (normalerweise unter deinedomain.de/sitemap.xml) enthält alle Seiten, die du für Google bestimmt hast. Exportiere sie als Ausgangspunkt.
Schritt 2: Daten sammeln
Jetzt wird es spannend. Für jede URL brauchst du Daten aus verschiedenen Quellen. Erstelle eine Tabelle (Google Sheets oder Excel) mit diesen Spalten:
Traffic-Daten aus Google Analytics
- Seitenaufrufe der letzten 12 Monate
- Organischer Traffic (nur Besucher von Google)
- Durchschnittliche Verweildauer
- Absprungrate
Einen Einstieg in Google Analytics für SEO findest du unter Google Analytics für SEO nutzen.
Ranking-Daten aus der Search Console
- Impressionen: Wie oft wurde die Seite in Google angezeigt?
- Klicks: Wie oft wurde sie angeklickt?
- Durchschnittliche Position: Auf welchem Platz rankt sie?
- Keywords: Für welche Suchbegriffe rankt die Seite?
Backlink-Daten
- Anzahl der Backlinks pro URL
- Qualität der verlinkenden Seiten
- Tools: Ahrefs, SEMrush, Ubersuggest oder die kostenlose Google Search Console
Content-Qualität
- Wortanzahl
- Datum der letzten Aktualisierung
- Gibt es veraltete Informationen?
- Ist der Content einzigartig?
Schritt 3: Inhalte kategorisieren
Jetzt kommt der wichtigste Schritt: Du teilst jede URL in eine von vier Kategorien ein.
Kategorie 1: Behalten
Seiten, die gut performen und keine Änderungen brauchen. Kriterien:
- Regelmäßiger organischer Traffic
- Gute Rankings (Position 1-10)
- Aktuelle Informationen
- Gutes Nutzerengagement
Aktion: Nichts tun. Vielleicht kleine Updates, aber im Wesentlichen alles so lassen.
Kategorie 2: Aktualisieren
Seiten mit Potenzial, die aber Verbesserungen brauchen. Kriterien:
- Rankings auf Position 5-20 (fast auf Seite 1 oder auf Seite 2)
- Veraltete Informationen
- Dünner Content der erweitert werden sollte
- Gute Impressionen aber niedrige Klickrate
Aktion: Content überarbeiten, erweitern, aktualisieren. Title Tag und Meta Description optimieren. Interne Verlinkung verbessern. Einen ausführlichen Guide zur Aktualisierung von Inhalten findest du unter Content aktualisieren für bessere Rankings.
Kategorie 3: Zusammenlegen
Seiten, die sich thematisch überschneiden oder kannibalisieren. Kriterien:
- Mehrere Seiten ranken für das gleiche Keyword
- Ähnliche Inhalte auf verschiedenen URLs
- Keiner der Artikel performt wirklich gut
Im Content Audit findest du oft Seiten mit Thin Content, die entweder verbessert oder entfernt werden sollten.
Aktion: Die besten Inhalte aus allen betroffenen Seiten in einem starken Artikel zusammenführen. Die anderen URLs per 301-Redirect auf die zusammengelegte Seite weiterleiten.
Kategorie 4: Löschen oder noindex
Seiten, die keinen Wert haben und die Gesamtqualität deiner Webseite herunterziehen. Kriterien:
- Null Traffic seit über 12 Monaten
- Keine Rankings
- Keine Backlinks
- Veralteter, irrelevanter Content
- Duplicate Content
Aktion: Seite löschen und per 410-Statuscode an Google melden oder auf „noindex" setzen. Bei Löschung: Prüfe vorher, ob andere Seiten auf diese URL verlinken, und passe die Links an.
Die Entscheidungsmatrix
Um die Kategorisierung zu vereinfachen, kannst du eine einfache Matrix verwenden:
| Kriterium | Behalten | Aktualisieren | Zusammenlegen | Löschen | |---|---|---|---|---| | Traffic > 50/Monat | Ja | Etwas | Etwas | Nein | | Ranking Top 20 | Ja | Position 5-20 | Mehrere Seiten | Nein | | Backlinks | Ja | Ja | Wenige | Keine | | Aktuell | Ja | Nein | Teilweise | Nein | | Einzigartig | Ja | Ja | Überschneidungen | Duplicate |
Die Schwellenwerte hängen von deiner Branche und deiner Seitengröße ab. Für einen kleinen Blog mit 30 Artikeln sind 50 Besucher pro Monat schon gut. Für eine große Webseite mit 500 Seiten wäre das wenig.
Tools für den Content Audit
Screaming Frog (kostenlos bis 500 URLs)
Der beste Crawler für den Start. Liefert dir alle URLs, Title Tags, Meta Descriptions, H1-Tags, Wortanzahl, Statuscodes und mehr. Die Pro-Version kann zusätzlich Google Analytics- und Search Console-Daten direkt einbinden.
Google Analytics 4
Unverzichtbar für Traffic-Daten. Erstelle einen benutzerdefinierten Bericht, der alle Landingpages mit organischem Traffic, Verweildauer und Conversions zeigt.
Google Search Console
Zeigt dir Impressionen, Klicks und durchschnittliche Positionen für jede URL. Besonders wertvoll: Die Daten zeigen dir, für welche Keywords jede Seite rankt — auch wenn du es nicht geplant hast.
Spreadsheet (Google Sheets oder Excel)
Dein zentrales Arbeitsdokument. Hier laufen alle Daten zusammen. Erstelle eine Tabelle mit diesen Spalten:
- URL
- Title Tag
- Wortanzahl
- Organischer Traffic (letzte 12 Monate)
- Top-Keyword
- Durchschnittliche Position
- Backlinks
- Letzte Aktualisierung
- Kategorie (Behalten / Aktualisieren / Zusammenlegen / Löschen)
- Priorität (Hoch / Mittel / Niedrig)
- Notizen
Umsetzung: So gehst du nach dem Audit vor
Ein Content Audit bringt nur dann etwas, wenn du die Ergebnisse auch umsetzt. Hier ist eine sinnvolle Reihenfolge:
Woche 1-2: Quick Wins
Kümmere dich zuerst um Seiten mit hohem Potenzial und niedrigem Aufwand:
- Seiten auf Position 5-10 optimieren (Title Tag, Meta Description, Content erweitern)
- Offensichtlichen Duplicate Content zusammenlegen
- Kaputte interne Links reparieren
Woche 3-4: Größere Updates
Überarbeite Seiten, die mehr Arbeit brauchen:
- Veraltete Artikel aktualisieren
- Dünnen Content erweitern
- Zusammenlegungen durchführen
Monat 2-3: Aufräumen
- Seiten löschen, die keinen Wert haben
- Weiterleitungen einrichten
- Interne Verlinkung überarbeiten
Laufend: Überwachen
Prüfe nach 4-8 Wochen, ob die Maßnahmen wirken. Sind die Rankings gestiegen? Hat sich der Traffic verbessert? Passe deine Strategie basierend auf den Ergebnissen an.
Fazit
Ein Content Audit ist Arbeit — aber es ist eine der wirkungsvollsten SEO-Maßnahmen überhaupt. Statt blind neue Inhalte zu produzieren, optimierst du zuerst das, was du schon hast. Das spart Zeit, bringt schnellere Ergebnisse und sorgt für eine gesündere Webseite insgesamt.
Starte mit einer vollständigen URL-Liste, sammle die wichtigsten Daten, kategorisiere jede Seite und setze die Ergebnisse systematisch um. Einmal pro Jahr wiederholen — und deine Webseite bleibt langfristig in Bestform.
Wenn du nach dem Audit wissen willst, wie dein aktueller SEO-Stand insgesamt aussieht, wirf einen Blick auf seoshade.com. Dort bekommst du eine schnelle Einschätzung, welche Bereiche noch Aufmerksamkeit brauchen.
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